SKF Spindel-Blog

Detailverliebt aus gutem Grund: Die Befundung im Spindelservice

Die Instandsetzung von Hochleistungs-Präzisionswerkzeugen verlangt ein perfektes Zusammenspiel von Know-how und Qualität. Außerdem spielt die Erfahrung eine entscheidende Rolle. Warum? Ein Blick auf die Befundung verrät mehr: Wir schauen hinter die Kulissen eines professionellen Spindelservice.


Erhält der Kunde seine aufbereitete Spindel vom Spindelservice zurück, kann er sicher sein: Sie ist wieder voll funktionstüchtig – egal, welchen Schaden sie vorher hatte. Was für ein Aufwand im runderneuerten Glanzstück steckt, ahnt indes kaum jemand.

Natürlich gehen auch Kfz-Werkstätten, IT-Services und anderen Reparaturdienstleister mit viel Engagement zu Werke. Doch im Gegensatz zum Auto werden Hochleistungs-Präzisionswerkzeuge bis ins kleinste Detail untersucht und dafür zunächst komplett auseinandergebaut. Das ist wichtig, denn jeder unentdeckte Schaden kann unmittelbar zum erneuten Ausfall führen.

Doppelt draufgeschaut hält besser

Und wie genau geht eine solche Spindel-Wiederaufarbeitung über die Bühne? Jede Spindel durchläuft einen wahren Instandsetzungs-Parcours, in dem Spezialisten die Maschine auf Herz und Nieren prüfen. Das reicht vom Wareneingang über die Demontage und Befundung bis hin zur Montage und abschließenden Qualitätskontrolle.

Der Reihe nach: Wenn eine Spindel im Servicecenter eintrifft, wird sie zunächst einem elektrischen Test unterzogen. Der prüft, ob Motor und Sensorik einwandfrei funktionieren. Stellt sich jetzt schon heraus, dass der Motor einen schweren Defekt hat, kann der Monteur direkt einen Ersatz bestellen und die Zeitaufwände dadurch geringhalten. Ansonsten geht es weiter zur Demontage.
Der Monteur nimmt die Spindel komplett auseinander und reinigt die Einzelteile – zunächst grob, dann poliert er sie und reinigt sie ein zweites Mal. Das sorgfältige Vorgehen hat gleich drei Gründe, wie Holger Zehnter, Instandsetzungsspezialist bei SKF, erläutert: „Schäden können akkurater diagnostiziert und die Montage besser durchgeführt werden. Schließlich sollen unsere Kunden nach erfolgter Reparatur eine praktisch neuwertige Spindel in den Händen halten.“

Top-Leistung braucht Top-Monteure

Sind die Bauteile sauber, beginnt die Befundung. Sie dient dazu, den Ist-Zustand der Spindel zu ermitteln: Ist die Welle untermaßig und muss aufgekrümmt oder beschichtet werden? Sollte das Gehäuse nachgearbeitet werden, weil der Bohrungsdurchmesser eingelaufen oder die Toleranz zu hoch ist?


„Für Spezialspindeln ist jahrelange oder gar jahrzehntelange Erfahrung unabdingbar“

Holger Zehnter, Instandhaltungsspezialist im S-Team, SKF


Um ein komplettes Schadensbild zu erstellen, überprüft der Spindelexperte jedes Bauteil, testet den Rundlauf der Welle und führt Messungen im µ-Bereich durch. Nur mithilfe dieser Werte kann er exakte Lageranpassungen vornehmen. Die Anforderungen sind hoch: Der SKF Spindelservice achtet beispielsweise darauf, dass jedes Bauteil einen Rundlauf von 1µ oder sogar 0µ aufweist. Ziel ist es, nach der Zusammensetzung einen Rundlauf der Welle von 3µ zu gewährleisten.
Das erfordert nicht nur enorme Erfahrung, sondern auch extreme Präzision. Denn erreicht der Monteur den finalen Wert nicht, muss er das Werkzeug wieder demontieren und von vorne anfangen. Das wäre zeit- und vor allem kostenintensiv.

Wie viel Know-how in dem Prozess notwendig ist, verrät allein ein Blick auf die Ausbildung der Experten: Erst nach drei bis fünf Jahren intensiver Lehre erzielen Spindelmonteure die gewünschte Genauigkeit. „Das dauert deshalb so lange, weil die Kollegen erst viel Erfahrung aufbauen müssen, bis sie Spindeln ganz unterschiedlicher Bauart schnell und zuverlässig reparieren können“, so Zehnter. Und auch in späteren Berufsjahren macht sich profundes Wissen bezahlt. „Für Spezialspindeln ist jahrelange oder gar jahrzehntelange Erfahrung unabdingbar, denn für solche ,Sonderanfertigungen‘ können die Monteure ja keine echte Routine entwickeln. Trotzdem müssen sie dafür sorgen, dass auch die Exoten unter den Spindeln nach ihrer Rekonditionierung mindestens so gut laufen wie zuvor.“

Das richtige Material in der Hinterhand

Dafür können die Experten – neben ihrem Wissen – auf viele Hilfsmittel zurückgreifen: elektrische Tests, mechanische Checks, Lager-Know-how und mehr. Allein im SKF Servicecenter in Schweinfurt befinden sich dafür 13 Prüfstände und ein Warenlager, in dem Ersatzteile im Wert von rund 400.000 Euro auf ihren Einsatz warten – von der Sensorik über Spannerteile bis zur Dichtung können die Experten sofort auf nahezu alle erdenklichen Teile zugreifen.

Es ist diese Kombination aus Equipment, Know-how und Detailverliebtheit, mit der Spezialisten jede Spindel wieder zum Laufen bringen.

Weitere Artikel

EMO 2019 | Die Welt der Metallbearbeitung

Besuchen Sie uns im Herbst auf der EMO in Hannover, die ein unübertroffenes Angebot über alle Produktionsbereiche von Werkzeugmaschinen und Komponenten bietet. Mit unseren SKF Lösungen aus der Werkzeugmaschinenindustrie helfen wir Ihnen, eine intelligentere Zukunft zu schaffen.

16.09.2019 – 21.09.2019

Hannover

Weitere Informationen

S-Team kontaktieren

Kontakt

Per Telefon

+49 (0)9721 56 2270